Stress – ein wesentlicher Kostenfaktor im Betrieb

Stress – ein wesentlicher Kostenfaktor im Betrieb

Laut dem Job-Stress-Index 2016 von Gesundheitsförderung Schweiz fühlen sich rund 25% der Erwerbstätigen gestresst (= mehr Belastung als Ressourcen vorhanden) bzw. erschöpft. Fast 50% befinden sich im sensiblen Bereich, das heisst, die vorhandenen Ressourcen reichen knapp aus, die aktuelle Belastung auszugleichen.
Was für die einzelne Person zu oft massgeblichen gesundheitlichen Beschwerden führt, verursacht bei den Arbeitgebern massive Kosten. Der Job-Stress-Index 2016 hält Kosten in der Höhe von 5.7 Mrd. Franken fest. Diese Kosten entstehen durch Minderleistung von gestressten Mitarbeitenden am Arbeitsplatz und durch gesundheitsbedingte (oft längere) Ausfälle von Mitarbeitenden.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, ob das Stresserleben nicht etwas Individuelles und deshalb etwas Persönliches ist und somit in der Verantwortung jedes einzelnen liegt? Oder ist es am Arbeitgeber dem Stress im Betrieb entgegen zu wirken? Ich bin der Meinung sowohl als auch und sehe drei Ebenen, wie in Betrieben auf Stress reagiert bzw. vorgebeugt werden kann.

Die Möglichkeiten Stress auf den drei Ebenen – Unternehmen, Führungskräfte, Individuen – zu begegnen, werden nachfolgend kurz beschrieben.

 

Unternehmensebene

Ein Unternehmen ist gesetzlich zum Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden verpflichtet. Dabei geht es vorwiegend um Rahmenbedingungen, Arbeitsorganisation, Arbeitsabläufe, Ergonomie oder auch Termin- und Zeitdruck sowie die innerbetriebliche Bewertung von «Stress», ist es cool oder sogar eine Auszeichnung, wenn man «Stress» hat? Oder wird Stress gar als Statussymbol angesehen im Sinn von «Gestresste sind wichtige Personen im Unternehmen»?

Des Weiteren legen das Unternehmensleitbild, die Führungsleitlinien sowie die Personalpolitik den Grundstein für die zwischenmenschlichen Umgangsformen im Betrieb, den Umgang mit (zu) hohen Anforderungen bzw. die Wichtigkeit der Ressource «Mensch».

Selbstverständlich ist aufgeschrieben noch nicht gelebt, aber wie oben erwähnt, ein Grundstein ist gelegt. Ein weiterer wichtiger Punkt im Zusammenhang mit Stress scheint mir die Kommunikationspolitik innerhalb eines Unternehmens. Werden die Mitarbeitenden aktiv, offen und zeitnah über bevorstehende Veränderungen oder Entscheidungen informiert und vielleicht sogar miteinbezogen? Eine offene Kommunikations- und Informationspolitik schafft Vertrauen und vermittelt Sicherheit. Beides erachte ich als wesentliche Stresspuffer.

Ebenfalls kann ein Unternehmen betriebsinterne Angebote aufnehmen. Dabei denke ich an den Zugang zu vitaminreichen Nahrungsmittel, Wasser, Rückzugsmöglichkeiten, (Stress-)Coaching, Entspannungsangebot, In-House-Massage, Bewegung in der Pause, Meditation in der Mittagspause etc.

Und noch etwas: Das Thema Stress aktiv anzugehen ist absolut vorbildlich. Wenn Sie dabei Ihre Mitarbeitenden einbeziehen und sie nicht nur fragen was sie stresst, sondern auch bei den Lösungen mitarbeiten lassen -z.B. in Form eines Gesundheitszirkels -, erhält ihr Stressprojekt deutlich Aufwind und die Wahrscheinlichkeit, dass es gelingt und gelebt wird, steigt enorm.

 

Führungskraftebene

Führungskräfte sind relativ nahe bei den Mitarbeitenden zumindest bei jenen, die sie direkt Führen, weshalb ihnen eine besondere Bedeutung in Bezug auf Stress bei den Mitarbeitenden zukommt. Denn Führungskräfte haben die Gelegenheit in ihrem Arbeitsalltag Beobachtungen zu machen und (un-)gesunde Verhaltensweisen von Mitarbeitenden wahrzunehmen. Sprechen Sie die Mitarbeitenden an, wenn Sie finden, dass psychisch oder physisch unangepasstes Verhalten an den Tag gelegt wird. Am einfachsten ist es regelmässig mit Ihren Mitarbeitenden im Gespräch zu sein, ganz im Sinne von wahrem Interesse an der Arbeit und der Person selbst. Fragen Sie aktiv nach dem Wohlbefinden Ihrer Mitarbeitenden und seien Sie grosszügig mit Anerkennung, Wertschätzung und Lob (wichtige Stresspuffer und erst noch gratis!) für ihre Arbeit. So lernen Sie Ihre Mitarbeitenden besser kennen, können ihr Verhalten adäquater einschätzen, auch dezente Veränderungen wahrnehmen und somit frühzeitig ansprechen. Nun werden Sie sich fragen, was den für Veränderungen? Hier nur eine kleine Auswahl von Verhaltensweisen bzw. Veränderungen, die sie wahrnehmen könnten: gedrückte Stimmung, Klagen über Müdigkeit, gereizte Reaktionen, aggressive Kommunikation, Erschöpfung, öfters krank oder erkältet etc. Oder bilden Sie sich weiter zum Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

Um die Ressourcen der Mitarbeitenden zu stärken, empfiehlt sich ein Experiment mit einer anderen Fokussierung. Legen Sie für drei Wochen Ihren Fokus ganz bewusst auf alles was Ihre Mitarbeitenden gut gemacht haben und vernachlässigen Sie alles was gerade nicht optimal läuft. Dabei ist es wichtig, dass Sie Ihre positiven Beobachtungen auch regelmässig und wertschätzend kommentieren. Sie werden überrascht sein, wie beruhigend und motivierend Ihre Anerkennung auf die Mitarbeitenden wirkt.

Es gibt noch einen wichtigen Aspekt in Bezug auf die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden, den ich gerne hier platziere. Es ist die Klarheit. Je deutlicher und klarer Sie Ihre Aussagen, Ihre Erwartungen und die Aufgaben formulieren, desto besser werden sie verstanden und umgesetzt. Diese Klarheit in der Kommunikation hilft Missverständnisse und Stress bei den Mitarbeitenden zu vermeiden. Auch klare Kommunikation kann wertschätzend und freundlich sein, es braucht keinen Befehlston.

 

Ebene der einzelnen Personen

Mitarbeitende kennen sich selbst am besten und wissen genau was ihnen guttut, wie sie «funktionieren» und am besten durchs Leben gehen. Wie in der Einleitung aufgeführt, gibt es jedoch viele Mitarbeitende, die sich gestresst oder gar erschöpft fühlen. Woran liegt das? Ich denke, dass die eigene aktive Rolle nicht erkannt wird. Zu erkennen, dass Sie selber etwas tun können, ist der erste Schritt in ein stressreduziertes Leben. Sie sind der Situation oder dem Stress nicht ergeben! Des Weiteren heisst es, sich mit den eigenen Stressoren und Stressreaktionen auseinanderzusetzen. Was sind Auslöser, dass Sie sich gestresst fühlen? Wie reagieren Sie auf Stress? Gibt es Warnsignale, die die Stressreaktion ankündigen?

Ebenfalls eine wichtige Frage scheint mir: Was können Sie gegen Stress tun oder wie können Sie ihm vorbeugen? Nachdem die Stressoren, die Stressreaktion und Warnsignale erkannt wurden, sehe ich folgende Möglichkeiten mit Stress umzugehen:

  • Erkennen von Entspannungsmöglichkeiten und Aktivitäten, die einen Ausgleich schaffen.
  • Andere Anerkennungsquellen auch ausserhalb der Arbeit suchen, denn oft fehlt im Betrieb die Anerkennung, das Gesehen werden der geleisteten Arbeit und das kann auf die Dauer Stress verursachen.
  • Mentale Stresskompetenz Das heisst an den eigenen Bewertungen und Werten arbeiten. Wie gehen Sie mit Stress um? Wie schnell beurteilen oder bewerten Sie Situationen oder andere Personen? Versuchen Sie beim Beobachtbaren zu bleiben ohne Interpretation. Oder versuchen Sie einmal eine Weile Ihren Fokus ganz bewusst auf die positiven Dinge zu richten und Defizite aussenvor zu lassen.

 

Wirken meine Ausführungen etwas abstrakt oder hat es Sie gluschtig gemacht bei sich oder in Ihrem Unternehmen einmal näher hinzuschauen? Zögern Sie nicht und melden Sie sich bei mir! Ich unterstütze Sie und komme gerne mit Ihnen zu meinem Schreiben ins Gespräch.

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